21.11. 2017
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Berufsbild

MarkscheiderDas markscheiderische Berufsbild - kurzgefasst

Das Markscheidewesen ist eine geowissenschaftliche Ingenieurdisziplin, die ihren Ursprung im Bergbau hat. Historische Aufgabe der Markscheider war es, die Grenzen („Marken“) verliehener Bergbauberechtigungen festzulegen und dadurch konkurrierende Bergbautreibende zu trennen („scheiden“). Sie vermaßen die bergmännisch hergestellten Hohlräume und erfassten die Lagerstätte mit dem Ziel, die laufenden bergbaulichen Aktivitäten in Karten und Rissen zu dokumentieren.

Die markscheiderischen Arbeitsgebiete haben sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und liegen heute sowohl innerhalb als auch außerhalb des Bergbaus. Die Berufsmöglichkeiten der Absol-venten/innen des Studiengangs „Markscheidewesen“ sind aufgrund ihrer breiten Fachausbildung in Verbindung mit fundierten technischen, betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Kenntnissen sehr vielfältig; sie finden Anstellung in:

  • Bergbauunternehmen,
  • Dienstleistungsunternehmen innerhalb und außerhalb des Bergbaus,
  • Unternehmensberatungen,
  • Gemeinschafts- und Forschungsorganisationen der Industrie,
  • Ingenieurbüros,
  • Versorgungs-, Entsorgungs- und Sanierungsbetrieben,
  • Öffentlichen Verwaltungen,
  • Forschungs- und Hochschulinstituten.

 

Vermessung

Aufgaben im Bergbau

Zu den Aufgaben, die Absolventen des Studiengangs "Markscheidewesen" heute unter Einsatz aktueller Technologien und Verfahren wie Satellitenmessung (GPS), Photogrammetrie, Fernerkundung, Krei- selmessung, elektronische Messtechniken, Geoinfor-mationssysteme (GIS) etc. bearbeiten, gehören im Wesentlichen:

  • Beantragung und Verwaltung von Bergbauberechtigungen,
  • Messtechnische Erfassung und Dokumentation von über- und untertägigen Aufsuchungs- und Gewinnungsbetrieben sowie der Tagesanlagen (Anlagen gemäß § 2 und § 126 Bundesberggesetz (BBergG)),
  • Lagerstättenkundliche und geologische Untersuchungen/Dokumentationen/Bewertungen,
  • Geotechnische und geophysikalische Messungen, Analysen und Bewertungen,
  • Planungs- und Projektierungsarbeiten für den Aufschluss und die Gewinnung von Bodenschätzen
  • sowie deren vermessungstechnische Übertragung in den bergmännischen Betrieb,
  • Anfertigung und Nachtragung des betrieblichen Kartenwerks und des Risswerks nach § 63 BBergG
  • sowie Herstellung thematischer Karten für betriebliche Planungen und behördliche Genehmigungsverfahren,
  • Massenbilanzen zur Abrechnung von Förderabgaben,
  • Aufbau und Pflege betrieblicher Geoinformationssysteme,
  • Entwicklung von bergbau- und vermessungsspezifischer Software,
  • Ermittlung, Überwachung und Steuerung der über- und untertägigen Auswirkungen des Abbaus und Prüfung ihrer Verträglichkeit für die Umwelt im Zuge von bergbaulichen, die Raumordnung und Landesplanung betreffenden Planungsvorhaben,
  • Planung und Überwachung von Halden und Rekultivierungsmaßnahmen,
  • Markscheiderische Betriebskontrolle (Sicherheits- und Leistungskontrolle),
  • Prognose, Erfassung und Analyse von
    - Bodenbewegungen im Hinblick auf Bergschadensgefährdung,
    - Böschungsbewegungen (Standsicherheitskontrolle),
    - Kippenbewegungen (Kippensetzungsprognosen),
    - Gefährdungspotenzialen des Altbergbaus (Bergschadenkundliche Analysen);
  • Bergschadensbearbeitung (Prophylaxe, Beurteilung und Sanierung) bei baulichen Anlagen, Straßen, Gleisanlagen, Ver- und Entsorgungsleitungen, Gewässern, Forst- und Landwirtschaft,
  • Liegenschaftsverwaltung in Bergbauunternehmen, Immobilienmanagement,
  • Vermessungstechnische Betreuung betrieblicher Maßnahmen (Absteckungen, Aufmaße, Massenbilanzen),
  • Auffinden und Sanieren von einsturzgefährdeten alten Grubenbauen laufender Betriebe oder des Altbergbaus.

 

Aufgaben außerhalb des Bergbau

Bedingt durch das breit gefächerte Lehrangebot der ausbildenden Hochschulen und die Möglichkeit, das Studium des Markscheidewesens durch die Wahl von Lehrveranstaltungen anderer Fachdisziplinen selbst zu gestalten, sind viele Absolventen in Arbeitsgebieten tätig, die mit dem Bergbau nur mittelbar oder gar nicht in Verbindung stehen; insbesondere sind dies:

  • Geodätische Aufgaben in verschiedenen Bereichen des Erd- und Grundbaus, des Verkehrswegebaus, des Tunnel-, Stollen- und Wasserbaus sowie des Industriebaus,
  • Bauwerksüberwachung, Beweissicherung,
  • Dienstleistung und Beratung im Bereich alternativer geogener Energieträger,
  • Gutachterliche Tätigkeiten,
  • Unternehmensberatung,
  • Planung, Betrieb, Dokumentation und Überwachung von über- und untertägigen Deponien (u.a. Entsorgungsbergbau),
  • Sanierung von Altlasten und Flächenrecycling,
  • Geomodellierung und Geoinformatik,
  • Fachtechnische Begleitung behördlicher Zulassungs- und Genehmigungsverfahren,
  • Ingenieurdienstleistungen im Vermessungs- und Umweltsektor,
  • Liegenschaftsmanagement und -entwicklung.

 

Ausblick

Nach wie vor finden die meisten Absolventen des "markscheiderischen" Studiums eine Anstellung bei Unternehmen in einer der vorgenannten Branchen, Behörden, (Fach-)Hochschulen oder Universitäten. Sie erfüllen dort vielfältige Aufgaben mit einem hohen Maß an Verantwortung und einem weit verzweigten und interessanten Aufgabenfeld. Im Zuge des zunehmenden internationalen Engagements deutscher Bergbaufirmen nehmen viele Diplom-Ingenieure heute verstärkt Tätigkeiten im Ausland auf; hier liegt ein äußerst interessanter Arbeitsschwerpunkt für zukünftige Absolventen. In den letzten Jahren kommen verstärkt Einsatzmöglichkeiten in Beratungs- und Ingenieurbüros und in der Versorgungswirtschaft hinzu.